Seit über 100 Jahren: Fotostudio Gallas (Ludwigsburg) in Familienbesitz

Von der belichteten Glasplatte zur Digitalbearbeitung, vom königlichen Hofphotograph zum Fotostudio Gallas: Urgroßvater Karl Braun öffnete 1902 erstmals seine Ladentüren in Ludwigsburg, nachdem er ein Atelier, übernommen hatte. Urenkel Jan Gallas feiert jetzt das 100-jährige Jubiläum des Traditionsunternehmens. 123 Jahre besteht nun das Unternehmen.

"Wenn man die Zeit sieht!" Jan Gallas beugt sich begeistert über ein Foto seines Urgroßvaters. Neben König Wilhelm II. mit Pickelhaube und Königin Charlotte ist darauf ein kleines Mädchen in weißem Kleid zu sehen: Hedwig Braun, die Großmutter des heutigen Firmenchefs Jan Gallas, die 1995 mit 90 Jahren starb. Auf ihrem Speicher fand sich ein Stapel alter Dokumente, die heute Zeugnis geben von der 100-jährigen Fotografengeschichte.

1902 wurde Karl Braun mit seinem Fotogeschäft in der Stuttgarter Straße 10 im Gewerberegister der Stadt eingetragen, 1907 ernannte ihn König Wilhelm II. zum "Königlichen Hofphotographen". Porträtaufnahmen von Adligen in Großformattechnik gehörten für Urgroßvater Braun ebenso zum Geschäft wie die Ablichtung der ganzen Familie im Sonntagsstaat. "Das war Prestigesache", sagt Jans Vater Knut Gallas, der, eigentlich Rentner, noch mit Rat und Tat zur Seite steht.

Dass auch Carl Gallas, der Vater von Karl Gallas, der wiederum Hedwig heiratete, Fotograf war, scheint hier selbstverständlich. Weder Knut, der das Geschäft seit 1961 mit seiner Frau Ursula, ebenfalls Fotografin, leitete, noch Jan, der 1999 übernahm, hatten je einen Zweifel an ihrer Berufung zur Fotografie. Bei der Berufswahl und somit bei dem Erhalt der langjährigen Fotografentradition, erinnert sich der 37-jährige Jan, "Da gab es keinen Zwang."

Die Adligen verschwanden, die Porträts der Zwanziger kamen und mit ihnen die Namensänderung in Gallas-Braun. 1939 zog die Firma in die Schillerstraße. "Es gibt bessere Lagen", bekennt Jan Gallas, der die Schillerstraße gerne modernisiert sähe, allerdings sich diesbezüglich mit den Stadt- und Verkehrsplanern der Stadt Ludwigsburg in enger effektiver Verbindung steht. Ihr Schaufenster sei dank Ampel jedoch sehr beachtet. Darin hängen derzeit erotische Bilder, ein Standbein, mit dem sich der Fotograf auch einen Namen gemacht hat.


Gegen den allgemeinen „Negativ-Trend“ der momentanen mittelständisch-wirtschaftliche Weichenstellung der Bundesregierung wurde Anfang November zusätzlich eine ausgebildete Fotografin zur Unterstützung des erfolgreichen, jungen und motivierten Teams eingestellt. Bereits ist Jan Gallas vor 3 Jahren im Portraitgeschäft dazu übergegangen neben konventionellen auch digitale Portraits anzubieten. Damit spricht er vor allem die Zielgruppe der jungen und junggebliebenen Kunden an. Die Investition in die „digitale Strecke“ habe sich bisher gelohnt. Jan Gallas will dieses Geschäft noch stärker ausbauen, bereits die 4. Computergeneration wurde jüngst installiert.


Fast jeden Samstag fotografiert Gallas auf Hochzeiten. Dank digitaler Technik gibt es die Bilder vom schönsten Tag des Lebens auch als gebundenes Fotobuch. Analoge Farbentwicklungen gehen außer Haus, digitale Laser-Ausbelichtungen und Schwarz-Weiß wird im eigenen Labor entwickelt, das neben hoher digitaler Investitionen eine weitere größere Sparte des Unternehmens bleibt. Gallas beherrscht auch die digitale Bildbearbeitung, etwa als Fotorestaurierung, in Collagen oder schlicht beim digitalen Passfoto. Auf alle nachbestellten Porträtfotografien gibt es zum Jubiläum ab dem 15. November einen Monat lang einen 50-prozentigen Nachlass. Weitere „Dankeschön-Jubiläums-Preisnachlässe“ gibt es in dieser Zeit in Hülle und Fülle unter anderem für zahlreiche Artikel des Fotogeschäftes zu stark reduzierten Preisen.
Die Konkurrenz der Hobbyfilmer und -fotografen beunruhigt den mehrfach prämierten Meister nicht: "Der Experte mit Kompetenz und Kreativität hinter der Kamera ist immer noch ausschlaggebend." Treue Kunden seit über 40 Jahren, darauf ist die Familie stolz. Das Fotostudio besitzt seit jeher einen sehr hohen Bekanntheitsgrad in Ludwigsburg und weiträumiger Umgebung. Ob seine kleinen Kinder, ein und vier Jahre alt, das Geschäft übernehmen, will Jan Gallas ihnen überlassen: "Es wird sich fügen." Auch wenn der Abschied vom Familienbetrieb nicht leicht fiele: "Da steckt viel Herzblut drin."